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Geschichte

Eckdaten

Die Reformierte Blindenpflege wurde 1946 gegründet. Ihre Geschichte kann grob in drei Teile gegliedert werden:

  1. 1946 bis 1968: Gründung, Amtszeit von Pfarrer Hugo von der Krone
  2. 1968 bis 2007: Amtsdauer von Peter Fisler
  3. 2008 bis heute: Ursula Graf als Blindenseelsorgerin

Gründung

Vor 1946 engagierten sich der kantonale Blindenfürsorgeverein und die Caritasaktion der Blinden für Menschen mit einer Seheinschränkung. Von reformierter Seite gab es seinerzeit noch keine Organisation, die sich dezidiert um blinde Menschen kümmerte, oder sich zum Beispiel dafür einsetzte, dass die Bibel oder andere kirchliche Werke in Blindenschrift verfügbar wären.

Pfarrer Heinz Waser, Greifensee, der Blindenfürsorger und Pfarrer Armin Steiner, Zürich, sowie der blinde Organist Max Schindler am Kranken- und Diakonissenhaus Neumünster ergriffen nun die Initiative, auch für die reformierten Blinden eine neue Organisation ins Leben zu rufen. Sie hatte das Ziel, kirchliche Literatur zugänglich zu machen und den Austausch unter den Blinden und Sehbehinderten zu fördern.

Gründung der Reformierten Blindenpflege: 18. März 1946 im Lavaterhaus in Zürich

1947 können 200 Exemplare des Lukasevangeliums in Kurzschrift gedruckt werden. Dies geschieht in Lausanne. Im selben Jahr feiert je eine Gruppe in Zürich und Winterthur gemeinsam Weihnachten. Im folgenden Jahr treffen sich Betroffene zu einem Vortrag im Restaurant Olivenbaum in Zürich.

1950 entstehen die ersten Richtlinien für die reformierte Blindenpflege, die 1954 überarbeitet und 1956 statutarisch festgehalten werden.

Hugo von der Krone

Pfarrer Hugo von der Krone nimmt 1950 seine Tätigkeit auf. Er besucht blinde und sehbehinderte Personen und versucht Brücken zu den Ortsgemeinden zu schlagen. Er trat sein Amt als "nebenamtlicher Blindenbesucher" an. Zu Beginn seiner Arbeit war diese eng mit dem Zürcher kantonalen Fürsorgeverein verknüpft. Statuten regelten die beiden Bereiche und er war froh darüber, dass er die Menschen, die er besuchte, ermutigen konnte. Da Pfarrer von der Krone selber stark sehbehindert war, wurde er von den Ratsuchenden als einen der ihren angesehen.

Seine Tätigkeitsfelder waren:

Pfarrer von der Krone macht sich damals stark für die Anliegen Sehbehinderter. Er engagiert sich für ein Blindenheim, wo er sich tatkräftig einsetzt. Ihm liegt auch am Herzen, dass christliche Literatur in Braille zugänglich gemacht wird.

Peter Fisler

Im September 1968 beginnt eine neue Ära: Diakon Peter Fisler wird in sein Amt eingesetzt und löst Pfarrer von der Krone ab. Seine Amtszeit geht bis Ende 2007, dann tritt Peter Fisler seinen verdienten Ruhestand an.

Ihm war folgendes wichtig, Originalzitat Peter Fisler:

"Ob im direkten Kontakt, per Telefon oder schriftlich verstehe ich
Seelsorge als Ermutigung zur Bejahung des eigenen Lebensweges und
Hilfe zu unverkrampfter Freude über das, was man auf diesem Weg,
der oft schwieriger und mühsamer ist als bei Nichtbehinderten,
empfängt und selber gibt. Unverrückbare Grundlage dafür ist mir
die bedingungslose Liebe Gottes."

Kurz nach seinen Amtsantritt initiiert Peter Fisler einen Bibelkreis. Die Literatur dazu ist in Braille vorhanden und die Treffen finden abwechselnd bei den Teilnehmenden zu Hause statt. 1996 wurde dieser Bibelkreis wieder aufgelöst. Peter Fisler besuchte auch Menschen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen waren. Um diese Besuche zu vereinfachen, durfte er ab 1978 den Autodienst des Rotaryclubs Dübendorf in Anspruch nehmen.

Ab 1985 finden im neu eröffneten Blindenheim an der Witikonerstrasse in Zürich - im Wechsel mit der katholischen Behindertenseelsorge - jede Woche eine Andacht statt. Ab 2004 übernimmt Peter Fisler im Emilienheim in Kilchberg einzelne Andachten in Absprache mit der Ortskirche.

Die Winterthurertagung erfährt unter der Leitung von Peter Fisler eine Wandlung. Neu führt er diese mit anderen Blindenorganisationen gemeinsam durch. Die Hauptleitung bleibt aber bei der Reformierten Blindenpflege.

Auch die Adventsfeier erfährt gewisse Veränderungen. War diese zu Beginn jeweils am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr angesetzt, so wird sie nun auf den späteren Vormittag verschoben. Statt des Geschenkes werden die Teilnehmenden zum Mittagessen eingeladen. Dies hat den grossen Vorteil, dass Personen mit einem Restsehvermögen nicht in der Dunkelheit nach Hause müssen. Nach dem Kirchgemeindehaus Enge und dem Albisgüetli wird die Feier ab 2004 im Swissôtel in Oerlikon durchgeführt.

Der Gemeindebesuch ist ein beliebter Anlass, um in eine Kirchgemeinde hineinzusehen, Brücken zu bauen und Gemeinschaft zu pflegen. Eine Ortsgemeinde lädt die Reformierte Blindenpflege zum Gottesdienst, Mittagessen und Rahmenprogramm ein.

Die erste Besinnungswoche wird 1973 durchgeführt. Sie findet alle zwei Jahre statt und dauert zwei Wochen. Ab 1983 findet die Besinnungswoche nunmehr jährlich statt, dauert aber nur noch eine Woche.

Literatur

Sowohl Pfarrer von der Krone als auch Diakon Peter Fisler stellen einen gekürzten Kirchenboten zusammen. Dieser wird später mit eigenen Artikeln gefüllt und in "Die Quelle" umbenannt.

2008 beschliesst der Vorstand, eine Hörfassung der neu übersetzten Zürcher Bibel im Daisy-Format herauszugeben. Die Aufsprache übernimmt die Firma "Audio Professional" mit Sitz in Winterthur.

Namensänderung

Im Jahr 2000 wurde der Name unseres Vereins von "Reformierte Blindenpflege" in "Reformierte Blindenseelsorge" umgewandelt. Die letzten Statuten stammen ebenfalls aus dem Jahr 2000.

Ursula Graf

Das Jahr 2008 war ein Übergangsjahr. Bereits ab Januar übernahm Ursula Graf, Sozialdiakonin und selber blind, die Andachten im Blindenwohnheim Mühlehalde im Mandatsverhältnis. Per 1. Oktober wurde sie als Nachfolgerin von Peter Fisler eingestellt und feierlich an der Adventsfeier in ihr Amt eingesetzt.

Ursula Graf ist es wichtig, Menschen zu begleiten, sie zu trösten, zu stärken und zu ermutigen - gemäss dem Motto: neue Lebensschritte anpacken im tiefen Vertrauen auf Jesus Christus, dass er der ist, der hält und trägt!

Die Veranstaltungen wie Gemeindebesuch, Besinnungswoche und Adventsfeier wurden durch einen Tagesausflug ergänzt. In der Mühlehalde betreut Ursula Graf im Wechsel mit der katholischen Behindertenseelsorgerin die wöchentlichen Andachten. Ihr anfängliches 60-Prozent-Pensum wurde mit der Zeit auf 80 Prozent erhöht.

Bäretswil, den 4.9.2012.